Die Kapitel im Überblick:
Aufgrund des gestiegenen Wettbewerbsdrucks durch die Internationalisierung der Märkte, kürzere Produktlebenszyklen und die zunehmenden Marksättigung in den letzten beiden Jahrzehnten, kam es zu einer signifikanten Veränderung in der Wertschöpfungsstruktur, was einen Umdenkprozess auslöste. Der verstärkte Einsatz von automatisierte Produktionstechnologien sowie die Zunahme der Variantenvielfalt führte zur Entwicklung eines adäquaten Planungs- und Steuerungssystem, das in der Lange ist, den gestiegenen Informationsbedarf des Managements Rechnung zu tragen. Während sich traditionelle Methoden der Kostenrechnung primär auf die kurzfristige Planung und Steuerung von Produktionsprozessen konzentrieren, orientieren sich neue Kostenrechnungssysteme zunehmend auf die strategische Steuerung der stark gestiegenen Gemeinkosten in den indirekten Bereichen.
Ausgehende von der Grundidee einer verursachungsgerechten Zurechnung der indirekten Kosten auf die Kostenträger, wie Produkte oder Kunden, wurde zu Beginn der 90er Jahre ein prozessorientiertes Kostenmanagementsystem entwickelt. Die Prozesskostenrechnung, die unter der Bezeichnung Activity-Based-Costing (ABC) in den USA bekannt ist, löst das bisher vorherrschende System der undifferenzierten pauschalen Zuschlagsätze ab.
Performance-Steigerung durch repräsentative Prozesskosten
Die Prozesskostenrechnung ermöglicht die Beantwortung folgender entscheidender Fragen des Managements zur Steuerung des Unternehmens im heutigen Wettbewerbsumfeld:
- Wie hoch sind die Kosten exotischer Produktvarianten unter Einbeziehung der hohen Bearbeitungskosten in den indirekten Leistungsbereichen (z.B.: F&E, Konstruktion, Instandhaltung, QM, Fertigungsvorbereitung, Auftragsabwicklung, Beschaffung, Logistik, Markting und Vertrieb)?
- Welche Kosten entstehen im Zusammenhang mit der individuellen Auftragsabwicklung?
- Was kostet die Betreuung eines Kunden?
- Welche Auswirkungen ergeben sich durch eine Erhöhung der Produktvarianten auf die Kosten und die Ergebnisse?
Traditionelle Kostenrechungssysteme sind nicht, oder nur unzureichend in der Lage komplexitätsbedingte Fragestellungen zu beantworten und verleiten allzu oft zu Fehlentscheidungen sowohl im operativen als auch im strategischen Bereich.
Effekte und Ziele der Prozesskostenrechnung
Die Prozesskostenrechnung entspricht Vollkostenrechnung, deren Basis sich aus wiederholenden Aktivitäten bzw. Tätigkeiten (Teilprozesse) und bereichsübergreifende (Haupt) Prozesse zusammensetzt. Auf diesem Weg erhält man eine andere Sichtweise der Kostenstruktur, die Aufschluss darauf gibt, welche Tätigkeiten und Prozesse Kosten verursachen und was die wesentlichen Cost Driver (Kostentreiber) sind. Speziell im Bereich der Dienstleistungsunternehmen wird die Prozesskostenrechung das Verfahren angewandt, um Kosten für Produkte und Dienstleistungen mittel der einzelnen Prozesse zu kalkulieren und somit Transparenz hinsichtlich der Prozesse zu erreichen. Weiter Effekte und Ziele der Prozesskostenrechung sind:
- Optimierung der Gemeinkosten.
- Schaffung von Kostentransparenz in den indirekten Bereichen.
- Steuerung und Optimierung von Prozessen.
- Verbesserung der strategischen Produktkalkulation und Erfolgsrechnung
- Verursachungsgerechte Zurechnung der Gemeinkosten.
- Innerbetriebliche Leistungsverrechnung und Center-Steuerung.
- Verbesserung der Kapazitäts- bzw. Ressourcenmanagements.
Prozesskostenrechnung auch für KMU
Unabhängig von der Unternehmensgröße entspricht die Einführung einer Prozesskostenrechnung einer prozessorientierte relevanten Ergänzung des Kalkulationsschemas des jeweiligen Unternehmens, dessen Produkte oder Aufträge Ressourcen im Gemeinkostenbereich in unterschiedlichen Ausmaß beanspruchen. Diese Unterschiede können sein:
- Viele oder wenige Materialarten.
- Eine hohe oder geringe Fertigungstiefe.
- Großserienprodukte oder exotische Varianten.
- Groß- und Kleinaufträge.
- Aufwendige oder weniger aufwändige Vertriebswege.
Die Erfahrung zeigt, dass für KMU (bis 200 MA) zwischen 30 und 50 Hauptprozesse genügen, um eine ausreichende Transparenz der Gemeinkosten zu erreichen und mit einem vernünftigen Aufwand (1-3 Monate) in relativ kurzer Zeit eindrucksvolle Resultate erzielt werden können.
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